Sprachverrohung & Privatshäre

Als Postkarten eingeführt wurden, machten sich bereits Befürchungen breit, dass dies zu einer Verrohung der Sprache führen könnte. Ähnliche Befürchtungen gab es dann beim Aufkommen der E-Mail-Kommunikation, SMS und jetzt wieder bei Twitter, Facebook und den anderen sozialen Netzwerken. Durch den knappen Schreibraum bei Postkarten wurde man gezwungen die Mitteilungen auf wenige Sätze zu beschränken oder um so kleinere Buchstaben zu schreiben. So gibt es manche Postkarten bei denen geradezu eine Mikroschrift geschrieben wurde. Angeblich hat damals jemand auf noch kleinformatigeren Postkarten unglaubliche 8777 Wörter untergebracht. So steht es im Buch: Amand Freiherr von Schweiger-Lerchenfeld: Das neue Buch der Weltpost, 1901; Kapitel: Die Postkarte, Seite 422.
Außerdem gab es wie bei Einführung der Postkarte bereits Befürchtungen, dass die Privatshäre durch den offenen Versand beeinträchtigt werden könnte. Ähnliche Sorgen haben heute viele bei E-Mail, Soziale Netzwerke im Internet und bei der Handykommunikation. Anscheinend scheint es eine Art unabdingbare Regel zu geben, neue Kommunikationformen erst einmal zu verteufeln, um sie dann nach einiger Zeit wie selbstverständlich zu benutzen.
Ich persönlich benutze auch Facebook, aber nicht um dort meine privatesten Geheimnisse preiszugeben, sondern um mit Mitteilungen gleichzeitig ein ganze Reihe von Empfängern erreichen zu können, damit diese etwas auf dem laufenden Gehalten werden und um Kontakt zu halten. Es ist wie eine Art Rundfunk für einen bestimmten Freundeskreis. Viele verwenden Facebook einfach als eine Art persönliches Präsentationsmedium, um andere über neueste Aktivitäten oder z. B. Veröffentlichungen oder andere Neuheiten zu informieren. Inzwischen nutzen auch viele Firmen Soziale Netzwerke als Marketinginstrument um Kundenkontakt zu halten und zu bekommen.

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