Während das französische Wort “Cartophilie” nichts anderes als Philokartie ist, steht die englische Bezeichnung “Cartophily” für das Sammeln und Erforschen von “Trading Cards” (Geschäfts- bzw. Werbekarten) und “Cigarette Cards” (Zigarettenbildern).
Bereits Jahrzehnte vor dem wiedererwachen der Philokartie, gab es im englischsprachigem Raum Bücher, Vereine und Vereinszeitschriften auf diesem Gebiet. Mir ist nichts bekannt ob es bei uns vergleichbares gegeben hätte, obwohl ab etwa 1940 bei uns zumindest ebenfalls Zigarettenbilder gesammelt wurden. Mir ist auch nichts bekannt ob es bei uns einen eigenen Begriff für das Sammelgebiet gibt. Im Gegensatz dazu kam das Ansichtskartensammeln in Europa und Nordamerika erst etwas später wieder richtig in Mode. Die “Cartophilic Society of Great Britain” wurde schon vor ca. 70 Jahren, also etwa um 1942 gegründet und besteht bis heute. In den USA war einer der Pioniere auf dem Gebiet J. R. Burdick, u. a. als Autor von Katalogen und Büchern. So erschien von ihm die zweite Auflage seines “American Card Catalog” erschien bereits 1946. Lange Zeit hatte ich angenommen, dass sich Burdick mit seinen Werken ebenfalls ausschließlich mit Postkarten beschäftigte. Ich hatte mich schon über das frühe erscheinen seiner Bücher gewundert.
Illustrierte Trading Cards gab es bereits ab etwa 1850, also schon deutlich vor der Zeit der ersten bebilderten Postkarten. Sie sind also in gewisser Hinsicht ebenfalls ein Art Vorläufer der Ansichtskarten.
Da eine Sammlungs- bzw. Hausratversicherung erwartet den Bestand zu erfassen, so habe ich heute meine Karten gezählt und bewertet. Dafür habe ich mir gerade extra ein Klickzähler gekauft um leichter zählen zu können. Solche Zähler erhöhen den Zählerstand um eins, wenn man draufdrückt.
Ich habe allen Alben, Koffer, Kartons nacheinander erfasst und die Karten jeweils mit Durchschnittpreisen des jeweiligen Albums bzw. Kofferfachs bewertet. In denke es ist so ausreichend für die Versicherung. Außerdem wollte ich mir selbst mal einen genauen Überblick verschaffen.
Seit ein paar Monaten habe ich ein extra einen verschließbaren Schrank für meine Sammlung, weil meine Sammlungsversicherung erwartet, dass die Karten im Haus weggesperrt werden. Die Listen der Inventur werde ich getrennt aufbewahren, weil die Versicherungbedingungen es so wollen.
Ich habe vor ein paar Wochen konnte ich nachlesen, dass die Schneider-Worms-Karte keine Offene Karte ist, zuvor hatte ich angenommen das es eine ist. Die Karte war eine Einladung zur Treibjagd und gilt als die erste ohne Umschlag verwendete deutsche Ansichtskarte bzw. Vorläufer-Ansichtskarte. Sie ist datiert auf den 5. Dezember 1866 und der Absender verschickt sie mit der Turn-und-Taxis-Post. Bereits 1991, in dem Buch “Die Postkarten aus den ehemaligen Postvereinsländern und dem deutschen Kaiserreich”, stellt der Autor Hanspeter Frech auf Seite 399 fest das altdeutschen Offene Karten bei der Turn-und-Taxis-Post nie zugelassen waren und das sich um eine “als Briefpost geeignete Mustersendung” handelt. Frankiert ist die Karte mit einem senkrechten paar von zwei Ein-Kreuzer-Marken der Turn-und-Taxis-Post.
Jetzt habe ich gerade eine Anleitung gefunden wie man Ansichtskarten sammelt, allerdings auf Englisch. Hier kommt der Link. Es ist durchaus eine gute Frage wie aus der ausführlichen Antwort erkennbar ist. Diese Anleitung zielt hauptsächlich auf Einsteiger der Materie ab, die noch nicht mal genau wissen was sie sammeln wollen. Mir ging es umgekehrt. Ich wußte schon ziemlich genau was ich sammeln wollte, aber in welchem Umfang Materials vorhanden war mir nicht bekannt, oder ob es überhaupt etwas davon gibt.
Leider gibt es in der Philokartie bei weitem nicht so viel Quellmaterial wie in der Philatelie. Im Zuge meiner Literaturrecherchen, konnte ich gerade meine Sammlung um ein weiteres Stück von Interesse ergänzen. Es ist ein Buch aus England mit dem Titel “Picture Postcards of the Golden Age – A Collector’s Guide” von den Autoren Tonie und Valmai Holt. Erstauflage war 1971, die zweite Auflage ist von 1978. Es sind viele einschlägige Fakten enthalten und ich denke es ist eines der Werke, von dem viele andere Autoren die letzten Jahrzehnte einige Anregungen für weitere Bücher übernommen haben.
Es beginnt mit einem lesenswerten Vorwort, gefolgt vom ersten Kapitel mit der Geschichte der Postkarten. Das zweite Kapitel geht über das Sammeln, hierin sind auch praktische Tipps enthalten. Im Hauptteil werden mit viel Text und dafür ziemlich wenigen Bilder verschiedene Arten (u. a. Topografie-, Themen-, Kriegs-, Humor-, Portait-, Werbe- und Kuriositätenansichtskarten) der Postkarten des “Golden Zeitalters der Ansichtskarte” erörtert. Dieser Hauptteil ist für mich deswegen weniger von Bedeutung, weil es aus englischer Sicht geschrieben ist und für den deutschsprachigen Raum weniger Relevanz hat. Im Anhang ist Information zu Verlagen, wie man das Alter von Karten bestimmt, Preise und Preisbestimmung, Drucktechnik, eine Chronologie, Literaturquellen usw. enthalten. Vielleicht war dies sogar das erste Buch mit der Idee, Wissen über Verlage und deren Logos zusammenzustellen. Von anderen englischsprachigen Autoren gibt es ganze Bücher, nur mit Information zu verschiedenen Ansichtskartenverlagen. Hier in dem Buch gibt es ein kleines Kapitel darüber.
Es hat mich ein wenig überrascht ein Buch mit schon so viel Wissen schon aus dieser relativ frühen Phase entdecken zu können. Nicht alles was darin steht ist ganz richtig, so wird in der Chronologie behauptet, dass es die erste deutsche Postkarte erst 1873 gegeben hat. Die ersten Postkarten verschiedener altdeutscher Staaten gab es aber schon ab 1870 und die ersten Karten der 1871 neu entstandenen deutschen Reichspost gab es noch im Gründungsjahr.
Über den frühen Münchner Ansichtskartenverleger Ludwig Zrenner ist auf den Seiten 23, 34 und 170 etwas enthalten. Dabei wird behauptet er brachte zum 1. Mai 1882 zur Eröffnung der Nürnberg Ausstellung eine Ansichtskarte heraus. Das ist somit die bislang älteste Buchquelle die ich hierzu entdecken konnte.
Bezug:
Tonie und Valmai Holt: Picture Postcards of the Golden Age – A Collector’s Guide, Verlag: Postcard Publishing Company, London, 2. Auflage von 1978, 214 Seiten Hier kann es bestellt werden.
Die Londoner Kunsthochschule “Royal College of Art” (RCA) veranstaltet jedes Jahr einen Verkauf von Postkarten für wohltätige Zwecke. Die Postkarten sind dabei sowohl von prominenten Künstlern als auch von unbekannte Talenten gestaltet. Jede Karte kostet dabei 45 britische Pfund und es sind jeweils Unikate. Der Künstler ist erst nach dem Verkauf auf der Adressseite der Karte ersichtlich, deswegen ist es ein “secret postcard sale” (geheimer Postkarten Verkauf). Vor ein paar Jahren hat dort jemand eine Karte gekauft, der er dann später für angeblich 45.000 Euro weiterverkauft hat. Im Jahr 2011 betrug die Anzahl der verkauften Exemplare 2900 Stück. Besucher der Veranstaltung übernachten teilweise schon vor der Eröffnung der Veranstaltung, vor dem Eingang, um sich die besten Chancen zu sichern.
Nachdem ich schon mehrere Jahre zuvor im Bereich Philokartie recherchiert und Literatur zusammengetragen hatte, fing ich im Oktober 2010 an ein umfassendes Buch für Ansichtskartensammler zu schreiben. Mitte Januar 2011 konnte ich mit viel Glück Herrn Formery, einen versierten Philokartisten als zweiten Autor für dafür gewinnen. Ohne seine tatkräftige Mitwirkung und sein Fachwissen wäre dieses Werk so nicht möglich gewesen. Von ihm stammt der größere Anteil des Buches, darunter vor allem Drucktechnik, Ausstellungswesen und der Lexikonteil.
Ende April 2011 war es dann soweit fertig, dass wir es dem Verlag zur Ansicht senden konnten und im Mai/Juni unterzeichneten wir den Verlagsvertrag. Das Buch ist im Oktober 2011 durch den Phil*Creativ Verlag erschienen. Vom Umfang her ist es mit 176 Seiten (etwa im DIN A5 Format) herauskommen und beinhaltet 88 Farbabbildungen. Der Titel des Buches ist “Die Welt des Ansichtskartensammelns”. Der Verkaufspreis liegt bei 17,60 Euro und die ISBN lautet 978-3-932198-91-5.
In dem Band aus der Reihe “Ratgeber für Briefmarkensammler” findet sich für Sammler von jedem Kenntnisstand etwas, vom Anfänger bis zum weiter Fortgeschrittenen. Beim Inhalt des Buches werden praktisch alle wichtigen Belange zum Themenkomplex berücksichtigt. Es geht um die Geschichte der Post- bzw. Ansichtskarten und Philokartie, Marktwissen (Auktionen, Strategie, Handel, Tausch, Preise usw.), einem ausführlichen Teil zu den Drucktechniken, Aufbewahrung (Klima, Materialien, Lagerung, Zubehör), verschiedenes zu Veröffentlichungen (z. B. Ausstellungswesen, eigene Website, Urheberrecht) und manches mehr an grundlegendem Wissen. Ein relativ großer Anteil des Buches ist ein alphabetisch geordnetes Kapitel mit dem Titel “Philokartistisches Grundwissen unter Stichwörtern”, darin werden alle möglichen Dinge hierzu abgehandelt.
Im Buchhandel erhältlich oder direkt beim Phil*Creativ Verlag, Vogelsrather Weg 27, 41366 Schwalmtal, Tel. 0 21 63/30 777, Fax: 0 21 63/3 00 03, Internet: www.phil-shop.de
Ich habe mich erst im Dezember 2001 bei eBay angemeldet. In den USA gab es eBay schon seit 1995 und in Deutschland seit 1999.
Kurz nachdem ich mich dort angemeldet hatte, hat mich das eBay-Fieber gepackt. Ich hatte damals eine Reihe von Dingen, hauptsächlich Bücher, hierüber verkauft. Seiner Zeit war es noch Neuland und heute kann man es sich kaum ohne damit vorstellen. Damals war ich noch kein Ansichtskartensammler.
Später konnte ich hierüber dort manches Schnäppchen, manch seltene Ansichtskarte und einige tolle Exemplare ersteigern. Ich schaue immer noch fast täglich nach, ob es dort interessante Karten aus meinem Sammelgebiet gibt. Inzwischen sehe ich kaum mehr bei anderen ähnlichen Online-Auktionshäusern rein, sondern nur noch dort. Ich konnte auch schon Kontakte zu anderen Sammlern über eBay herstellen.